Ein Affiliate-Erfolgsplan beginnt damit, Programme nicht nach einem einzigen Kriterium zu bewerten, sondern systematisch mehrere Faktoren zu gewichten. Bevor Sie vergleichen: definieren Sie klare Ziele (z. B. Umsatz, Lead-Qualität, wiederkehrende Einnahmen), kennen Sie Ihre Zielgruppe und messen Sie Ihre übliche Traffic-Qualität (z. B. durchschnittliche Conversion-Rate Ihrer Seiten). Nur so lassen sich Offers realistisch einschätzen.
Wichtige Vergleichskriterien (mit kurzer Erklärung)
- Vergütungsmodell: Pay-per-sale (CPS), Pay-per-lead (CPL), Pay-per-click (CPC), recurring (Abo-Provisionen). Recurring zahlt langfristig besser bei Abonnements, CPS ist üblich im E‑Commerce.
- Höhe der Provision & Berechnungsbasis: Prozent vom Warenkorb, fixe Pauschale pro Lead/Verkauf oder gestaffelte Prozente. Achten Sie auf Netto-/Bruttoregelungen (Retouren, Gebühren abgezogen?).
- Durchschnittlicher Bestellwert (AOV) und Conversion-Rate (CR): Hohe Provision bei geringem AOV ist oft schlechter als moderate Provision bei hohem AOV. Nutzen Sie diese Formel zur groben Schätzung: erwarteter Umsatz = Traffic × CR × AOV × Provision. Beispiel: 10’000 Klicks × 2% CR × CHF 80 AOV × 10% Provision = CHF 1’600.
- EPC (Earnings Per Click): wichtig, weil es reale Performance pro Klick zeigt. EPC = (Gesamtprovisionen) / (Gesamtklicks). Vergleichen Sie EPCs statt nur Provisionssätze.
- Cookie-Dauer & Attribution: Längere Cookie-Laufzeiten erhöhen Chancen auf Kommission; klären Sie, ob es Last‑Click-Only ist oder Multi‑Touch-Attribution / server-to-server-Tracking.
- Tracking-Qualität & Reporting: Echtzeit‑Dashboards, API‑Zugriff, klare Postback-URLs, Verfügbarkeit von SubIDs/UTM für granularen Test. Schlechte Tracking-Stabilität wächst zu verlorenen Umsätzen.
- Auszahlungsmodalitäten & Mindestbeträge: Auszahlungsturnus (monatlich/zweimonatlich), Zahlungsmethoden (Bank, PayPal), Rückbehalt/Chargeback-Policy, Auszahlungsgrenze.
- Vertragsbedingungen & Stornorichtlinien: Zeitraum für Stornierungen, Rückbuchungen, Kündigungsfristen, geistiges Eigentum, Werbung (z. B. Trademark-Bidding).
- Werbemittel & Support: Vorhandene Creatives, Landingpages, Produktdatenfeeds, Affiliate-Manager erreichbar? Ein aktiver Manager kann Kampagnen beschleunigen.
- Zulässige Traffic-Quellen und Beschränkungen: Erlaubt sind SEO, Content, Social, E-Mail, PPC? Viele Programme verbieten Brand-Bidding, Coupon-/Gutscheinseiten oder E-Mail-Spam.
- Reputation des Merchants / Conversion-Risiko: hohes Retouren- und Chargeback-Risiko senkt echte Einnahmen; prüfen Sie Bewertungen, AGB und Erfahrungen anderer Affiliates.
- Rechtliches & Datenschutz: Einhaltung DSGVO/GDPR (bei EU‑Traffic relevant), Cookie‑Hinweise, notwendige Affiliate‑Offenlegung. In der Schweiz ist Transparenz ebenfalls ratsam — kennzeichnen Sie deutlich Affiliatelinks.
- Konkurrenzsituation & Sättigung: starke Affiliate‑Dichte kann CPCs und Conversion-Raten drücken; prüfen Sie Marktsättigung für das Produkt/Nische.
Gewichtete Bewertungsmatrix (Beispiel, anpassbar)
- Provision & AOV (20%), Conversion‑Einschätzung (15%), EPC (15%), Cookie‑Dauer/Attribution (10%), Tracking & Reporting (10%), Support & Werbemittel (10%), Auszahlungen/Vertragsbedingungen (10%), Werbebeschränkungen/Reputation (10%). Vergaben Sie Punktwerte (0–10) und berechnen Sie gewichteten Score, um mehrere Programme vergleichbar zu machen.
Praktische Prüf- und Testschritte
- Shortlist erstellen: 4–6 Programme, die thematisch passen.
- Pro Grammatik/Programm Beispielrechnung durchführen (oben genannte Formel) — rechnen Sie konservativ (z. B. CR 20–50% unter Ihrem bisherigen Durchschnitt) für Pilotphase.
- Pilotphase planen: 2–4 Wochen mit kleinem Budget/Traffic, A/B‑Tests von Creatives und Landingpages, jede Kampagne mit eindeutigen SubIDs/UTMs tracken.
- Analyse: EPC, CR, Retouren, AKV (average customer value) und Netto-Provision nach Rückläufern auswerten. Entscheiden Sie erst nach statistisch sinnvollem Zeitraum (abhängig vom Sales‑Cycle).
- Verhandeln: Wenn Performance gut ist, verhandeln Sie bessere Konditionen (höhere Provision, längere Cookies, exklusive Aktionen). Bereiten Sie Traffic‑Reports als Verhandlungsargument vor.
- Skalierung mit Controls: Automatisierte Regeln für Budgeterhöhung, Whitelist/Blacklist für Partner, Fraud Monitoring.
Technik & Tracking—Worauf zu achten ist
- Server-to-server (S2S) Postbacks sind zuverlässiger als reine Cookies; fragen Sie nach S2S-Unterstützung.
- SubIDs und dynamische Parameter ermöglichen granularen Erfolgsmessungen.
- Klären Sie, wie Returns/Stornos nach X Tagen behandelt werden und ob Provisionen kurzfristig zurückgezogen werden können.
- Prüfen Sie, ob das Netzwerk oder der Merchant dedupliziert, wenn derselbe Sale über mehrere Affiliates ausgelöst wird.
Marketing- und Compliance‑Tipps
- Offenlegung: Kennzeichnen Sie Affiliate‑Links klar (z. B. „Dieser Link ist ein Affiliate‑Link — ich erhalte ggf. eine Provision“). Das erhöht Vertrauen und erfüllt rechtliche Erwartungen.
- Content‑Fit: Bewerben Sie nur Produkte, die zur Zielgruppe passen — höhere Relevanz bedeutet höhere CR und geringere Abbruchrate.
- Langfristige Werte: Setzen Sie auf Produkte mit Upsells/Repeat-Buy-Potential, denn LTV‑basierte Partnerschaften sind meist profitabler als kurzfristige Transaktionen.
- Vermeiden Sie Spam‑methoden; halten Sie sich an Werberichtlinien (z. B. Google Ads, Meta), sonst riskieren Sie De‑Listing.
Rote Flaggen (sofortiges Aussteigen oder sehr vorsichtig sein)
- Keine klare Tracking- oder Reporting‑Schnittstelle.
- Sehr lange Auszahlungsverzögerungen oder hohe Rückbehalte ohne transparente Begründung.
- Schlechte Rückmeldungen aus Affiliate‑Communities (unzuverlässige Zahlungen, hohe Stornoquoten).
- Unklare Vertragsklauseln zu Stornos, geistigem Eigentum oder unzulässigen Werbeformen.
- Keine Möglichkeit für Testkäufe oder Sandbox‑Tracking vor Kampagnenstart.
Kurzcheck für die Entscheidung in 5 Minuten
- Provision passend zur Nische? (ja/nein)
- Cookie‑Dauer >= 30 Tage? (besser)
- EPC oder geschätzter EPC positiv bei konservativen Annahmen? (ja/nein)
- Tracking stabil und SubIDs möglich? (ja/nein)
- Affiliate‑Manager erreichbar und sammelt er Daten? (ja/nein) Wenn mindestens 4× „ja“, Kandidat auf die Pilot‑Shortlist.
Umsetzung: ein einfacher Aktionsplan (erste 30 Tage)
- Tag 1–3: Shortlist & Berechnungen; Kontakt zum Affiliate‑Manager.
- Tag 4–10: Tracking‑Setup, Test‑Links, genehmigte Creatives besorgen.
- Tag 11–30: Pilot laufen lassen, Traffic portioniert, tägliches Monitoring, wöchentliches Reporting.
- Tag 30+: Review, Verhandlung bei positivem ROI, Skalierungsschritte planen.
Fazit — wie man langfristig richtig vergleicht Erfolgreiche Affiliate‑Partnerschaften basieren weniger auf dem höchsten Provisionssatz als auf realistischer Performance‑Schätzung, sauberem Tracking, fairen Vertragsbedingungen und einem aktiven Partner‑Management. Verwenden Sie eine gewichtete Matrix, führen Sie Pilot‑tests durch und verhandeln Sie Konditionen erst nach belegter Performance. Transparenz, rechtliche Klarheit und ein Fokus auf Customer Lifetime Value unterscheiden profitable langfristige Kooperationen von kurzfristigen, riskanten Deals.
